Matthias Knoche

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Neue Qualität in der stationären Altenpflege

Die Mehrzahl der Menschen möchte nicht in Heimen leben. Und für diejenigen, die in Heimen leben ist »satt und sauber« nicht das zentrale Qualitätskriterium. Daraus folgt für die kommunale Altenpolitik:

  • statt zusätzlicher Pflegeheime bei bereits jetzt bestehender Bettenüberkapazität muss es hinreichende Möglichkeiten für ambulante Pflege und Versorgung geben
  • die Qualität der bestehenden Einrichtungen muss sich an den Standards der Selbstbestimmung und Eigenständigkeit messen lassen.

Wir brauchen keine weiteren Altenpflegeheime und Marburg wie auch der Landkreis dürfen kein Tummelplatz für Finanzinvestoren werden. Der Bau von Pflegediscountern mit 41 Einzel- und 52 Doppelzimmern, wie sie für den Stadtwald geplant waren, würde Überkapazitäten schaffen und das Angebot an wohnortnahen Einrichtungen gefährden: _ sie würden die Modernisierung der bestehenden Heime verhindern,

  • sie würden die personalintensive Pflege alter Menschen auch qualitativ unter Druck setzen (gespart wird in der Betreuung),
  • sie würden die Heimaufnahmen fördern (Angebot schafft Nachfrage)  und den Aufbau ambulanter Strukturen verhindern.

Marburg und der Landkreis sollten sich der Bundesinitiative »Daheim statt Heim« anschließen und den Baustopp für weitere Heime verknüpfen mit der Unterstützung verbesserter Qualität in den bestehenden Heimen. Vor allem dafür muss kommunale Altenpolitik Qualitätsstandards gemeinsam mit den Trägern und »Experten« entwickeln. Aspekte dieser Qualitätsstandards sollten unter anderem sein:

  • kleine Wohneinheiten,
  • Dezentralität,
  • Wohnquartierbindung
  • Mobilisierung und Aktivierung vorhandener Kompetenzen
  • Einbindung in die örtliche Gemeinschaft
  • Anpassung an ›normale‹ Lebensbedingungen
  • Sicherstellung der für die Hilfeleistungen optimalen konkreten Umgebung.

Dieser Prozess könnte starten mit einer lokalen Datenbank (Heimbewertung) über vorhandene und wünschenswerte Lebensqualität in den Heimen des Landkreises. Die Anbieter in der Region sollten in die Entwicklung der Qualitätsstandards eingebunden und ermuntert werden, das bestehende Angebot entsprechend anzupassen.

Ein weiterer Schritt sollte der vorbildhafte Neubau des Altenheims Sudetenstrasse 24 sein. Mit neuen kleinen Lebens- und Wohneinheiten entsprechend den Qualitätsstandards kann die Stadt hier impuls- und beispielgebend auf andere Träger einwirken. Ihre so unter Beweis gestellte Kompetenz könnte sie auch interkommunal einsetzen, etwa in Cölbe. Die hier geplante Einrichtung könnte durch die Marburger Altenhilfe St. Jakob GmbH auf der Grundlage der Qualitätsstandards realisiert werden.

(Auszug aus: Alter braucht Zukunft – Älterwerden in Marburg; Thesen und Vorschläge der GRÜNEN für eine neue Altenpolitik in Marburg, August 2008)

Grundsätze
Rahmenbedingungen

Unterstützung bei Risiken des Alters

Ambulante Infrastrukturen aufbauen