Der Ausbau der ambulanten Infrastruktur ist nicht einfach aber zweifelsohne notwendig. Bei den gesetzlichen Vorgaben dominiert (vor allem hinsichtlich der Finanzierung) die stationäre gegenüber der ambulanten Versorgung. Diese Schieflage kann von der Kommune nicht kompensiert werden, aber kommunale Altenpolitik kann dennoch dazu beitragen, dass die erforderlichen Änderungen erfolgen. Für die Stärkung bisheriger ambulanter Strukturen und die deutlichere Umorientierung in der Gestaltung der Altenhilfe sind vielfältige Maßnahmen erforderlich; vor allem umfassende Beratungs- und Informationsmöglichkeiten über Formen eines selbst bestimmten Lebens im Alter und die vorhandenen Hilfestrukturen:
- die bestehenden Beratungsstellen, die Beschwerdestelle, die kommunale Seniorenbeauftragte, die Freiwilligenagentur und so weiter müssen für diese Aufgabe weiterentwickelt sowie inhaltlich und organisatorisch koordiniert werden.
- das Pflegebüro muss zu einem Pflegestützpunkt ausgebaut werden.
- Ausbau einer Wohnraumberatung (bezogen auf Umgestaltung der vorhandenen Wohnung, alternative Wohnmöglichkeiten, allein, in Wohngemeinschaften, Hausgemeinschaften Wohnquartieren und so weiter)
- Beratung bei Finanzfragen
- Unterstützung weiterer alternativer Wohnangebote (WOGE, Ockershäuser Allee und so weiter)
- Unterstützung neuer Wohnstrukturen durch Wohnungsbaugesellschaften
- Unterstützung von neuen Wohnstrukturen und Wohngemeinschaften auch für Menschen, die einen hohen Hilfebedarf haben (zum Beispiel Wohngemeinschaften für Demenzkranke)
- Abbau von Schwellen im öffentlichen Raum
- umfängliches Angebot an ambulanten Hilfen und Dienstleistungen
- Mobilisierung beziehungsweise Wiederherstellung von Nachbarschaftsstrukturen
- Entwicklung notwendiger Unterstützungsstrukturen für ältere Migrantinnen und Migranten in Kooperation mit dem Ausländerbeirat
- Verstärkung ehrenamtlicher/bürgerschaftlicher Unterstützungsformen,
- lokale Datenbank, die gute Beispiele im Bereich der ambulanten Versorgung sammelt und den Bürgerinnen und Bürger anschaulich machen kann.
Marburg und der Landkreis Marburg-Biedenkopf sind in einer glücklichen Situation. Vorbildlich für andere Kommunen sind hier Grundlagen und Kriterien für ein selbst bestimmtes Leben von Menschen mit Behinderung erprobt und nachhaltig geschaffen worden. Zum Beispiel durch Wohnprojekte für Menschen mit Behinderung und der Nutzung von persönlichen Budgets. Dies ist eine hervorragende Ausgangsbasis für eine neue Altenpolitik.
(Auszug aus: Alter braucht Zukunft – Älterwerden in Marburg; Thesen und Vorschläge der GRÜNEN für eine neue Altenpolitik in Marburg, August 2008)
GrundsätzeRahmenbedingungen
Unterstützung bei Risiken des Alters
Neue Qualität in der stationären Altenpflege